Die perfekte Angelstelle in Fluss und See finden

Auf einen Blick
- Fluss
- StrömungsstrukturenEinbuchtungen, Buhnen, Buhnenköpfe und Seitengewässer erzeugen interessante Strömungsbereiche.
- See
- Schatten, Wind, KantenSchatten, auflandiger Wind und deutliche Übergänge am Grund sind einen Versuch wert.
- Jahreszeit
- Warm: flach · kalt: tiefIm Warmen zusätzlich dort, wo das Wasser gut durchmischt ist.
- Zielfisch
- GrundstrukturRaubfisch an harten Kanten und sandigem Grund, Friedfisch eher über weicherem, bewachsenem Grund.
Fisch ist überall, aber nicht überall gleich häufig
In jedem Kubikmeter eines Gewässers kann Fischbiomasse stehen: Kleinfische, Aale und Karpfen ebenso wie Raubfische nahe der Oberfläche. Manche Stellen halten allerdings deutlich mehr Fische als andere.
Für Hecht, Zander, Barsch, Karpfen und Friedfische wie große Brassen suchst du deshalb nach Bereichen, die Nahrung, Schutz oder Ruhe bieten. In einem abwechslungsreichen Gewässer lässt sich das leichter erkennen. Ein kanalisiertes, gerade gezogenes Ufer mit durchgehender Steinböschung macht die Suche schwieriger, weil markante Strukturen fehlen.
Im Fluss: die Strömung zeigt die Stellen
Fische brauchen Stellen, an denen sie ruhen und trotzdem fressen können. Wo das Wasser gleichmäßig vorbeirauscht, finden sie beides nicht: Sie müssten ständig gegen die Strömung anschwimmen. Interessant wird es dort, wo die Strömung einkehrt, sich dreht und wieder zurückläuft. Ein begradigtes Ufer mit Steinböschung macht dir die Suche deshalb schwerer als eine Uferlinie mit Struktur.
Einbuchtungen, Buhnen und Seitengewässer
An einem Fluss sind Einbuchtungen, Buhnen, Buhnenköpfe und Seitengewässer besonders interessant. Spannend sind außerdem Flusskurven und tiefe Gumpen ebenso wie Wehre und Mündungen. Dort entstehen Strömungskanten, Verwirbelungen und auflaufende Strömungen. Das Wasser kehrt in solche Bereiche ein, dreht sich und läuft teilweise wieder zurück.
Genau diese Bewegungen helfen den Fischen. Wo die Strömung nur kräftig vorbeirauscht, können sie schlecht ruhen, ihren Standort halten und fressen. Wo sie dagegen einwirbelt und zurückkommt, finden die Fische bessere Bedingungen und häufig auch Nahrung.

Gute Flussstellen liegen dort, wo die Strömung einkehrt, hineinwirbelt und wieder zurückkommt.Jörg
Schaue dir ruhig auch den Gewässergrund an. Er verrät dir, welche Fischarten du erwarten kannst. Eine starke Strömung lässt häufig einen harten, sandigen oder steinigen Grund zurück. Das ist eher ein Platz für Zander.
Beruhigt sich das Wasser, kann sich Sediment ablagern. Auf diesem weicheren, schlammigen Grund findest du eher Fische, die im Schlamm nach Nahrung wühlen: Dazu gehören Aale, Karpfen und Brassen.
Am See: Karten, Kanten und Technik
Im stehenden Gewässer fehlt dir die Strömung als Wegweiser. Stattdessen zählen Tiefe, Ufer und Grund — und der Schatten: Steht Wald am Ufer, kann genau diese Zone an hellen Tagen die beste Stelle des Sees sein, selbst wenn das Wasser dort nur knietief ist. Hechte stehen durchaus so flach.
Kartenansichten verraten dir die ersten Stellen am See
Auch stille Wasser sind tief. Einen See kannst du bereits zu Hause ganz einfach mit Satelliten- und Kartenansichten im Netz erkunden. Achte auf Einbuchtungen, einen kleinen Hafen und Wald direkt am Ufer. Der Wald weist auf eine Schattenzone hin, die bei starker Sonne Gold wert sein kann.
Verläuft die 2 Meter Tiefenlinie parallel zum Ufer, ist dieser Bereich zwar flach, aber durchaus tief genug für Karpfen, Aale und Hechte. Ein Hecht steht auch mal im knietiefen Wasser. Trifft ausreichende Tiefe auf Schatten durch die Ufervegetation, hast du an hellen Tagen eine interessante Stelle gefunden.
Bei Wind das zugewandte Ufer wählen
Bei ablandigem Wind fängst du am windabgewandten Ufer schlecht. Fische lieber am zugewandten Ufer: Dort treffen Wellen und Wind auf das Land, spülen Nahrung auf und schaffen bessere Fressplätze.
Wenn ein typisch norddeutscher strammer Nordwestwind auf das Gewässer draufballert, fischst du dort, wo Wind und Wellen aufs Ufer stehen.Jörg
Dieses Prinzip kennst du auch von der Ostseeküste beim Angeln auf Dorsch, Plattfisch und Meerforelle: Wo der Wind auf das Ufer steht, finden die Fische eher aufgespülte Nahrung als auf der ablandigen Seite.
Kanten und Hügel am Seegrund sind Raubfischplätze
Mit einem Boot kannst du am Bootssteg starten, die Flachwasserzonen überbrücken und gezielt Kanten sowie Übergänge erreichen. Ein See kann zum Beispiel Zonen mit 2, 4, 6 und 8 Metern Tiefe besitzen: Am Ufer liegt das Flachwasser, weiter draußen folgt eine 4 Meter Zone und im tiefsten Loch werden 8 Meter erreicht.
Für Barsch, Zander und Hecht sind Stellen interessant, an denen das Wasser schnell tiefer wird oder rasch wieder ansteigt. Suche nach Sandhügeln, harten Bereichen und Scharkanten (markante Abbruchkanten). Solche deutlichen Gebilde am Grund sind klassische Raubfischplätze.
Karpfen und Brassen halten sich eher in moderat tiefem Wasser über schlammigem, weichem Grund mit etwas Bewuchs auf.

| Gewässer | Struktur | Fische, die du dort erwartest |
|---|---|---|
| Fluss | Harter, sandiger oder steiniger Grund in starker Strömung | Zander |
| Fluss | Beruhigte Zone, in der sich Sediment ablagert | Aal, Karpfen, Brassen |
| See | Flachwasser bis 2 Meter, dazu Schatten vom Ufer | Karpfen, Aal, Hecht |
| See | Scharkanten, Sandhügel und harte Kanten am Grund | Barsch, Zander, Hecht |
| See | Moderat tief, schlammig-weicher Grund mit etwas Bewuchs | Karpfen, Brassen |
Ein Wurf-Echolot macht die Tiefenstruktur verständlich
Gerade an größeren Seen hilft dir häufig ein Boot, um die entscheidenden Bereiche zu erreichen. Ist der Einsatz erlaubt und möchtest du Technik nutzen, kann ein Echolot die Tiefenstruktur sichtbar machen.
Eine kleinere Bauform ist das Wurf-Echolot (Wurf-Sonar), das du per Bluetooth mit dem Handy koppelst. Es wird ausgeworfen und übermittelt Daten vom Gewässergrund. So kannst du Kanten und andere Formen besser einordnen.
Das hilft dir bei der Stellensuche
- Satelliten- und KartenansichtZeigt Einbuchtungen, kleine Häfen und Wald am Ufer schon von zu Hause aus.Vorbereitung
- BootÜberbrückt die Flachwasserzone und bringt dich an Kanten und Übergänge.Am Wasser
- EcholotMacht die Tiefenstruktur sichtbar — nur einsetzen, wo es erlaubt ist.Technik
- Wurf-EcholotKleine Echolot-Bauform, wird ausgeworfen und übermittelt die Daten ans Handy.Technik
Über das Jahr: die Temperatur steuert die Tiefe
Die guten Stellen bleiben nicht das ganze Jahr dieselben, und für Fluss und See gilt dabei dasselbe Muster. Entscheidend ist, wo die Futterfische stehen und wie viel Sauerstoff im Wasser ist. Beides verschiebt sich mit der Temperatur — deutlich genug, dass dieselbe Stelle im Juli und im Januar völlig unterschiedlich fängt.
Wärme zieht die Fische flach, Kälte lässt sie tiefer stehen
Die passenden Angelstellen verschieben sich mit der Wassertemperatur. Im Sommerhalbjahr sind flachere und etwas stärker durchströmte Strukturen oft fischreicher. Dort halten sich auch die Futterfische auf.
Im Winterhalbjahr ziehen sich die Futterfische in tiefere Bereiche und ruhigere Seitengewässer zurück. Die Raubfische folgen ihnen. Suche dann nicht einfach dieselben Sommerplätze erneut ab, sondern konzentriere dich auf Tiefe und ruhigeres Wasser.
Im Hochsommer zählen Wind und Sauerstoff
Im Hochsommer suche besonders die Seite auf, auf der der Wind steht. Dort wird das Wasser besser durchmischt und enthält mehr Sauerstoff.
Im Winter ziehen die Raubfische in die tiefsten Bereiche
Im Winter ziehen Raubfische dagegen in die tiefsten Seebereiche. Woran liegt das? Durch die Dichteanomalie des Wassers: Liegt an der Oberfläche Eis mit 0 Grad, befindet sich am Grund Wasser mit 4 Grad. Dort sammelt sich das Wasser mit der größten Dichte. In diesen tiefen Bereichen können dann sehr viele Fische stehen, die du häufig nur mit einem Boot erreichst.
Häufige Fragen
Einbuchtungen, Buhnen, Buhnenköpfe und Seitengewässer sind gute Ausgangspunkte. Dort bilden sich Strömungskanten, Verwirbelungen und zurücklaufende Strömungen, an denen Fische besser stehen und fressen können.
Bevorzuge das Ufer, auf das der Wind trifft. Dort wird Nahrung aufgespült. Bei Hitze sorgt die Bewegung zusätzlich für eine bessere Durchmischung und mehr Sauerstoff im Wasser.
Karpfen und Brassen findest du eher über schlammigem, weichem Boden mit etwas Bewuchs. Barsch, Zander und Hecht stehen eher an harten Kanten, sandigen Hügeln und anderen markanten Strukturen am Seegrund.
Begriffe in diesem Artikel
- Buhne
- Eine Buhne ist ein quer zur Strömung in den Fluss gebauter Damm, meist aus Steinschüttung. Sie hält die Fahrrinne frei und schützt das Ufer – und schafft dabei genau die Strömungswechsel, an denen Fische stehen.
- Strömungskante
- Eine Strömungskante ist die Grenzlinie zwischen schnell fließendem und ruhigem Wasser. Raubfische stehen bevorzugt auf der ruhigen Seite und greifen sich Beute, die mit der Strömung vorbeitreibt.
- Tiefenlinie
- Eine Tiefenlinie verbindet auf einer Gewässerkarte alle Punkte mit derselben Wassertiefe. Aus dem Abstand der Linien liest Du ab, wo der Grund flach ausläuft und wo er steil abfällt.
- Scharkante
- Eine Scharkante ist ein steiler Übergang vom Flachwasser ins Tiefe. An dieser Abbruchkante wandern Raubfische entlang, weil sie Deckung und Beute auf engem Raum zusammenbringt.
- Echolot
- Ein Echolot misst mit Schallwellen die Wassertiefe und stellt Grundverlauf, Struktur und Fische auf einem Display dar. Aus der Laufzeit des zurückgeworfenen Signals rechnet das Gerät die Entfernung zum Grund aus.


