Angelrute auswerfen: Diese drei Würfe sitzen überall

Das Wichtigste vor dem ersten Wurf
- Handhaltung
- Idealer GriffDer kleine Finger liegt hinter dem Rollenfuß, die Rute dadurch in der Waage.
- Schnurlaufröllchen
- Nach obenSo erreicht der Zeigefinger die Schnur bequem.
- Zeigefinger
- Vor dem Wurf an der SchnurDanach liegt er auf der Rute — dort spürst du die Aktion und jeden Biss.
- Blickrichtung
- Zum ZielSchau dorthin, wo der Köder landen soll. Das gilt bei allen drei Wurftechniken.
- Beispielgerät
- 2,70-Meter-SpinnruteEine Steckrute mit Stationärrolle; entscheidend ist nicht das Modell.
Die Grundlagen sitzen vor jedem Wurf
Als Beispielgerät eignet sich eine 2,70 Meter lange Spinnrute (Steckrute) mit Stationärrolle. Entscheidend ist aber nicht ein bestimmtes Modell, sondern dass Handhaltung, Schnurführung und Blickrichtung vor dem ersten kräftigen Wurf stimmen.
Die ideale Haltung: Der kleine Finger liegt hinter dem Rollenfuß, dem Verbindungsstück zwischen Rolle und Rute, die übrigen Finger darüber. So bleibt die Rute in der Waage, Handgelenk und Unterarm bilden eine bequeme Linie. Das entspannt bei vielen Würfen. Nach dem Wurf legst du den Zeigefinger auf den Blank, also auf die Rute selbst. Dort spürst du die Aktion und jeden Biss. In der Schnur hat er beim Einholen nichts zu suchen.
Drehe das Schnurlaufröllchen nach oben. Über dieses kleine Röllchen am Bügel läuft die Schnur. So erreicht dein Zeigefinger sie bequem. Zeigt das Röllchen nach unten, musst du umgreifen oder die Rute in die andere Hand nehmen und drehen.
So läuft ein Wurf ab
Schnur aufnehmen
Greife mit dem Zeigefinger in die Schnur und halte sie locker auf der Fingerkuppe.
Bügel umklappen
Klappe den Schnurfangbügel auf. Die Schnur liegt jetzt allein auf deinem Zeigefinger.
Zielen und abwerfen
Richte dich auf dein Ziel aus und halte die Schnur locker auf der Fingerkuppe. Gib sie etwa auf 11 Uhr oder kurz davor frei, sobald du spürst, dass der Köder nach vorne weg will. Den Druckpunkt triffst du mit etwas Übung immer sicherer.
Bügel schließen und aufkurbeln
Stoppe die Schnur kurz mit dem Finger, schließe den Bügel und lege die Schnur an das Schnurlaufröllchen an. Erst dann kurbelst du auf. Lässt du lose Schlaufen auf die Spule laufen, wird daraus beim nächsten Wurf schnell ein Tüddel oder eine Perücke.

In dem Moment, in dem du abwirfst, musst du dorthin schauen, wo der Köder hin soll.Jörg, Fishing-King
Überkopfwurf: die größte Weite
Der Überkopfwurf ist der Klassiker für freie Uferstellen: Wie der Name sagt, wirfst du den Köder über den Kopf aus. Damit machst du ordentlich Meter, brauchst hinter dir aber freie Bahn.
Lasse den Köder als Richtwert an etwa einem Drittel der Rutenlänge hängen. Bei stärkerem Wind und der dafür nötigen höheren Geschwindigkeit darf es auch eine halbe Rutenlänge sein. Zu viel Abstand ist ebenso ungünstig wie zu wenig. Besonders mit einem Stahlvorfach solltest du den Köder nicht so weit herankurbeln, dass der Wirbel durch den Spitzenring läuft.
Führe Köder und Rute seitlich am Körper vorbei in die Startposition nach hinten. Prüfe dabei die freie Bahn, damit du weder dich noch Personen oder Hindernisse triffst. Die freie Hand greift hinten an den Rutengriff, bei Rechtshändern die linke. Ziehe den Griff mit ihr nach hinten: Die Hebelbewegung beschleunigt die Rute, ohne den ganzen Arm mitzubewegen.

Halte die Schnur locker auf der Fingerkuppe. Dann spürst du beim Beschleunigen, wann der Köder nach vorne weg will.Jörg, Fishing-King
Der spürbare Zug zeigt dir den richtigen Augenblick zum Loslassen. Dieses Gefühl wird mit etwas Training immer sicherer.
Zum Zielen ist der Überkopfwurf okay, seine eigentliche Stärke ist jedoch die Entfernung. Mit einer passenden Rute und Rückenwind sind auch 100 Meter möglich. Bei einem sauberen Wurf kann der Köder beinahe das gegenüberliegende Ufer erreichen. Seine Flugbahn verläuft relativ hoch, anschließend kommt der Köder steil herunter.
Pendelwurf: genauer auf kleine Spots
Der Pendelwurf gehört ebenfalls zum Standardrepertoire. Richtig ausgeführt bleibt er bei der Weite nur wenig hinter dem Überkopfwurf zurück. In der Praxis fehlen ungefähr zehn Meter, dafür lässt sich der Köder genauer platzieren. Das hilft bei kleinen Spots und überall dort, wo du in einiger Entfernung unter Büsche am Fluss- oder Bachufer werfen möchtest.
Lasse den Köder dafür eher auf halber Rutenlänge hängen, also etwas länger als beim Überkopfwurf. Die Bewegung kommt aus dem Unterarm, während der Rutengriff mehr oder weniger am Unterarm anliegt.
Pendele den Köder anfangs einige Male vor und zurück. So spürst du den Druck auf der Fingerkuppe und wann der Köder nach vorne will. Mit Übung genügt ein Pendelschwung: Hole rückwärts aus und lasse ihn mit der Vorwärtsbewegung aus dem Unterarm nach vorne schießen.
Die Flugbahn bleibt flacher als beim Überkopfwurf. Genau deshalb kommst du mit dieser Technik besser unter Büsche und andere Hindernisse, ohne viel von der möglichen Entfernung aufzugeben.

Unterhandwurf: für enge, bewachsene Ufer
Der Unterhandwurf ist am bewachsenen Ufer oft die erste Wahl. Stell dir einen Bach vor, an dem
- Weiden tief über das Wasser hängen,
- Äste den Raum über dir versperren
- und nur ein kleiner Bewegungsradius vor deinem Körper bleibt.
Dort ermöglicht dieser Wurf überhaupt erst, den Köder sinnvoll ins Wasser zu bringen.
Kurbele den Köder nah an die Rutenspitze. Mit Stahlvorfach lässt du etwas mehr Abstand. Ohne Stahlvorfach, etwa beim Forellenangeln am Bach, darf der Köder bis auf ungefähr 10 bis 15 Zentimeter an die Spitze heran.
Beschleunige den Köder seitlich mit einer kurzen Bewegung aus Handgelenk und Unterarm nach vorn. Für maximale Weite und höchste Zielgenauigkeit gibt es bessere Würfe: In beiden Punkten ist der Unterhandwurf mittelmäßig. Sein Vorteil ist der geringe Platzbedarf, und genau der zählt zwischen Ästen und dichtem Uferbewuchs.

Die Rückhand bleibt eine Variante des Unterhandwurfs
Der Rückhandwurf ist kein vierter Wurf, sondern eine Spielart des Unterhandwurfs. Bei der Vorhand zeigt deine Handfläche in Wurfrichtung. Für die Rückhand drehst du die Bewegung um und schlenzt den Köder mit dem Handrücken nach vorne.
Diese Variante ist praktisch, wenn Bewuchs deine normale Wurfseite blockiert. Sie hilft auch, wenn direkt neben dir ein Nachbarangler steht und dir ein Ohr abkaut. Dann kannst du auf der freien Seite arbeiten, ohne eine große Bewegung zu benötigen.
Stärken der drei Würfe
| Kriterium | Überkopfwurf | Pendelwurf | Unterhandwurf |
|---|---|---|---|
| Wurfweite | |||
| Zielgenauigkeit | |||
| Einsatz bei engem Ufer |
Antworten zu den Wurftechniken
Beim Überkopfwurf ist etwa ein Drittel der Rutenlänge der Richtwert, bei stärkerem Wind bis zu eine halbe Rutenlänge. Beim Pendelwurf hängt der Köder ungefähr eine halbe Rutenlänge herab, beim Unterhandwurf dagegen dicht an der Spitze.
Nein, der Rückhandwurf ist eine Variante des Unterhandwurfs. Statt mit der Handfläche schlenzt du den Köder mit dem Handrücken nach vorne.
Nimm die Rute in die andere Hand und drehe die Rolle so, dass das Schnurlaufröllchen nach oben zeigt. Dann erreichst du die Schnur bequem mit dem Zeigefinger.
Begriffe in diesem Artikel
- Schnurlaufröllchen
- Das Schnurlaufröllchen sitzt am Schnurfangbügel einer Stationärrolle und lenkt die Schnur beim Einkurbeln auf die Spule. Ein Kugellager lässt es mitdrehen und schont dadurch die Schnur.
- Überkopfwurf
- Der Überkopfwurf ist die Standard-Wurftechnik beim Angeln: Der Köder wird über den Kopf nach vorne beschleunigt. Er bringt die größte Wurfweite, setzt aber voraus, dass hinter dem Angler freie Bahn ist.
- Pendelwurf
- Beim Pendelwurf gibt der Angler dem hängenden Köder aus dem Unterarm Schwung, statt die Rute über den Kopf zu führen. Der Wurf kommt fast an die Weite des Überkopfwurfs heran und lässt sich dabei genauer ausrichten.
- Unterhandwurf
- Der Unterhandwurf ist die Wurftechnik für beengte Plätze: Der Köder wird aus dem Handgelenk seitlich weggeschlenzt statt über den Kopf geführt. Er braucht kaum Raum nach hinten und nach oben.


