Die richtige Angelrolle für den Einstieg

Angelrollen auf einen Blick
- Stationärrolle
- Einstieg und Alltageinfach zu werfen, passt zu fast jeder Angelart
- Stationärrolle (Budget)
- 20 bis 25 Eurofür monofile Schnur; geflochtene Schnur verlangt einen aufwendigeren Spulenhubmechanismus und damit eine Investition über 70 oder 80 Euro
- Multirolle
- Meer und schwere KöderWerfen erfordert Übung
- Fliegenrolle
- nur mit Kursdie Schnur ist das Wurfgewicht
Die drei Rollenarten im Vergleich
Die Bewertung ist eine redaktionelle Einschätzung, abgeleitet aus den Stärken und Schwächen der jeweiligen Bauart.
| Kriterium | Stationärrolle | Multirolle | Fliegenrolle |
|---|---|---|---|
| Für den Einstieg geeignet | |||
| Einfaches Werfen | |||
| Schnurkapazität für tiefes Wasser | |||
| Eignung für sehr schwere Köder | |||
| Robustheit |
Stationärrolle: der Allrounder für den Einstieg
Die Stationärrolle gibt es in Deutschland in dieser Form seit fast 100 Jahren. Ihr Grundprinzip hat sich in dieser langen Zeit erstaunlich wenig verändert: Zum Auswerfen öffnest du den Schnurfangbügel und die Schnur kann von der Spule laufen.
Beim Einkurbeln bewegt sich die Spule nach oben und unten. Dadurch verteilt sich die Schnur gleichmäßig auf ihr. Vorn an der Spule sitzt die Kopfbremse, mit der du einstellst, wie stark die Rolle die Schnur beim Abziehen bremst.
Moderne Stationärrollen sind leichter als ihre alten Verwandten und besitzen schnellere Getriebe. Im Schnurlaufröllchen sitzt inzwischen standardmäßig ein Kugellager, damit sich das Röllchen mit der darüberlaufenden Schnur dreht. Das schont besonders kräftige geflochtene Schnüre: Würde sich die Schnur in ein feststehendes Röllchen einschneiden, litten ihre Oberfläche und ihre Haltbarkeit.
Wie dauerhaft dieses Prinzip ist, zeigt eine alte, in Deutschland gefertigte Rolle, die Jörg von seinem verstorbenen Opa geerbt hat. Sie arbeitet lauter und ruppiger als heutige Rollen, besitzt aber bereits Kopfbremse, Schnurfangbügel, automatischen Anschlag und Schnurlaufröllchen. Die wesentlichen Bauteile waren also schon vor etlichen Jahrzehnten vorhanden.

Für Einsteigerinnen und Einsteiger ist die Stationärrolle meine ganz heiße Empfehlung.Jörg, Fishing-King
Die Übersetzung bestimmt die Geschwindigkeit beim Einholen
Die Übersetzung sagt dir, wie oft sich der Rotor während einer Kurbelumdrehung dreht. Bei einer alten Stationärrolle mit Dreierübersetzung sind es drei Rotorumdrehungen. Das ist ein vergleichsweise langsames Getriebe. Modernere Getriebetechnik ermöglicht deutlich höhere Geschwindigkeiten.
Welche Übersetzung sinnvoll ist, hängt von deiner Angelart ab. Rapfen mögen sehr schnell geführte Köder, deshalb hilft hier eine hohe Übersetzung. Auch beim Meerforellenangeln und beim Spinnfischen kann sie von Vorteil sein.
Rolle und Schnur: was zusammenpassen muss
Ob eine Stationärrolle zur Schnur passt, entscheidet ihre Schnurverlegung. Einfache Rollen eignen sich für monofile Schnur; Geflecht verlangt einen aufwendigeren Spulenhubmechanismus.
Nylon kann sich genauso vertüddeln wie andere Schnüre, besitzt aber etwas Dehnung. Zum Angeln mit Wurm am Grund, mit einer Pose oder allgemein auf Friedfische ist diese günstige und einfache Schnur genau richtig.
Möchtest du eine mehrfädige, geflochtene Schnur verwenden, muss die Rolle sie besonders sauber auf der Spule verlegen. Das Geflecht fühlt sich wie Textil an und vertüddelt sich schneller als eine monofile Schnur. Bei einer schlechten Wicklung können sich beim Auswerfen Schlingen überschlagen.
Für diese saubere Schnurwicklung benötigen Rollen einen aufwendigeren Spulenhubmechanismus. Dann liegt die Investition bereits über 70 oder über 80 Euro. Nach oben gibt es kaum Grenzen, selbst 1.000 Euro sind möglich. Wenn du nicht gerade wie Dagobert Duck im Geld schwimmst, schaue ruhig nach einer günstigeren Variante.
Sag es im Angelgeschäft
Nenne dem Händler vor dem Kauf, ob du monofil oder geflochten fischen möchtest. Nur dann bekommst du eine Rolle, deren Schnurverlegung zu deiner Schnur passt — und gehst mit der richtigen Rolle aus dem Geschäft.

Nylon ist abriebfest, Geflecht trägt mehr
Geflochtene Schnüre waren bei ihrer Einführung ein Quantensprung. Ihre relativ glatte Oberfläche und die hohe Tragkraft ermöglichen weitere Würfe und viel Kraft bei geringem Durchmesser.
Die höhere Tragkraft macht Geflecht zum Kraftprotz und zur üblichen Schnur beim Spinnfischen. Es reagiert allerdings empfindlicher auf mechanische Belastung. Reibst du es über eine Tischkante, entstehen schnell Fusseln und die Oberfläche wirkt aufgefasert und leicht pelzig.
Nylon hält solchen Abrieb besser aus. Seine Tragkraft ist geringer, reicht für das Posenangeln und Grundangeln aber dicke aus. Wähle den Durchmesser passend zum erwarteten Fisch und zum Gewässer, dann bleibt Nylon gerade beim robusten Alltagsangeln konkurrenzfähig.
| Eigenschaft | Monofile Schnur (Nylon) | Geflochtene Schnur |
|---|---|---|
| Tragkraft | etwa 3 bis 4 Kilogramm bei 0,15 Millimetern | mindestens 9, bei hoher Qualität über 10 Kilogramm bei 0,13 Millimetern |
| Dehnung | etwas Dehnung | dehnt sich kaum |
| Abriebfestigkeit | hoch, übersteht Kontakt mit Kanten | empfindlich, Oberfläche fusselt schnell |
| Typischer Einsatz | Posen- und Grundangeln, Friedfische | Spinnfischen |
Multirolle: für schwere Köder und Fortgeschrittene
Die Multirolle ist vor allem auf dem amerikanischen und skandinavischen Markt verbreitet. Im deutschsprachigen Raum greifen inzwischen besonders Angler zu ihr, die schwere Wobbler mit kurzen, eigens dafür gebauten Ruten fischen.
Was ist eine Baitcastrolle?
Die Baitcastrolle ist die kompakte Bauform der Multirolle. Sie ist besonders bei fortgeschrittenen Anglern beliebt, vor allem beim Spinnfischen.
Die Multirolle spielt ihre Stärke bei hoher Belastung aus
Ihr zentraler Vorteil liegt im geraden Schnurablauf. Die Schnur wird direkt über die Spule und ihre Hauptachse abgezogen. Bei der Stationärrolle läuft sie dagegen im rechten Winkel über das Schnurlaufröllchen.
Dieser Knick wird bei schweren Ködern zum Belastungspunkt. Ein Jerkbait, also ein besonderer Wobbler ohne Tauchschaufel, kann 100, 150 oder sogar 200 Gramm wiegen. Solche Ömmels erzeugen starken Druck auf das Schnurlaufröllchen und können den Oberbau einer Stationärrolle sichtbar bewegen und verformen. Die Multirolle leitet diesen Zug günstiger über ihre Mittelachse.
Auch beim Meeresangeln ist sie die erste Wahl. Auf ihrer Spule findet viel Schnur Platz, ohne dass du dafür eine riesige und wahnsinnig schwere Stationärrolle brauchst. Beim Bootsangeln in Norwegen, Schweden oder einem anderen tiefen Gewässer kannst du damit gut direkt unter der Rutenspitze fischen. Weil die Schnur gerade über die Hauptachse läuft, werden weniger Bauteile stark belastet. Ein Schnurlaufröllchen und ein Spulenhubmechanismus sind nicht nötig. Das macht die Multirolle besonders für den Meereseinsatz robust.

Das Werfen braucht Übung
Beim Auswerfen kann die Spule einer Multirolle zu schnell drehen. Du musst sie deshalb mit dem Daumen abbremsen, sonst drohen Schnurgewirr und misslungene Würfe. Magnetbremsen unterstützen dich dabei ein wenig, ersetzen die Übung aber nicht. Für deine ersten Versuche beim Spinnfischen ist eine Multirolle deshalb nicht zu empfehlen.
Fliegenrolle: nur mit Kurs sinnvoll
Eine Fliegenrolle ist sehr einfach gebaut, leicht und mit einem großen Spulenkern ausgestattet. Darauf findet die dicke, schwere Wurfschnur Platz. Anders als bei den übrigen Angelmethoden bringt beim Fliegenfischen nicht das Gewicht des Köders die Montage nach draußen. Die meist auffällig gefärbte Schnur selbst liefert das Gewicht, während die winzige Fliege federleicht ist.
Um diese Schnur zu beschleunigen, brauchst du einen besonderen Bewegungsablauf mit Rückschwung und Vorschwung. Mit der Angelrute arbeitest du dabei anders als bei allen anderen Methoden.

Die Einachsrolle ist der Vorfahr der Fliegenrolle
Die Fliegenrolle geht auf die älteste Rollenform am Markt zurück: die Nottinghamrolle, auch Einachsrolle genannt. Bei dieser einfachen Bauweise dreht sich die Spule lediglich auf einer Achse, dennoch ließ sich die Schnur damit auswerfen.
Früher kam eine solche Rolle beispielsweise zusammen mit einer Bambusrute, einer Hechtpose und einem Köderfisch beim Hechtangeln zum Einsatz. Verglichen mit der heutigen Fliegenrolle hat sich technisch gar nicht so viel verändert. Die modernen Ausführungen sehen lediglich etwas schicker aus.

Häufige Fragen
Nach dem Auswerfen genügt eine Bewegung der Rollenkurbel. Der automatische Anschlag schließt den geöffneten Bügel und führt die Schnur in das Schnurlaufröllchen.
Fliegenfischen ist schwieriger als das gewöhnliche Werfen mit der Stationärrolle und sogar anspruchsvoller als der Umgang mit der Multirolle. Ein guter Fliegenfischer kann dir Rückschwung und Vorschwung am besten beibringen. Dafür gibt es viele Kurse, in die du vor deinem ersten Versuch am Wasser ruhig hineinschnuppern kannst.
Beim Grundangeln nicht. Der Köder liegt am Gewässergrund und wird nicht geführt, deshalb ist es gleichgültig, wie viel Schnur du pro Kurbelumdrehung einholst. Angelst du etwa mit einem Wurm auf Aal, spielt die Übersetzung keine Rolle.
Begriffe in diesem Artikel
- Stationärrolle
- Die Stationärrolle ist die verbreitetste Angelrolle in Deutschland. Ihre Spule steht beim Wurf still, während ein Bügel die Schnur beim Einkurbeln wieder aufnimmt. Für Einsteiger ist sie die erste Wahl.
- Schnurlaufröllchen
- Das Schnurlaufröllchen sitzt am Schnurfangbügel einer Stationärrolle und lenkt die Schnur beim Einkurbeln auf die Spule. Ein Kugellager lässt es mitdrehen und schont dadurch die Schnur.
- Übersetzung
- Die Übersetzung einer Angelrolle gibt an, wie oft sich der Rotor bei einer Kurbelumdrehung dreht. Sie bestimmt, wie schnell Du den Köder einholst — und sollte zur Angelart passen, nicht möglichst hoch sein.
- Monofile Schnur
- Monofile Schnur besteht aus einer einzelnen Kunststofffaser - meist Polyamid (Nylon). Sie ist das verbreitetste Angelschnur-Material und farblos oder eingefärbt in verschiedenen Durchmessern erhältlich.
- Geflochtene Schnur
- Aus vielen Fasern geflochten, nahezu dehnungsfrei und bei gleicher Tragkraft dünner als monofile Schnur. Sie bietet hohe Sensibilität für die Köderkontrolle und Bisserkennung.
- Multirolle
- Bei der Multirolle dreht sich die Spule beim Wurf mit, und die Schnur läuft gerade über die Hauptachse ab. Das macht sie stark bei schweren Ködern und beim Meeresangeln — das Werfen erfordert aber Übung.
- Jerkbait
- Ein Jerkbait ist ein Kunstköder ohne Tauchschaufel, der seine Aktion erst durch Rutenschläge bekommt. Große Modelle wiegen 100 bis 200 Gramm und verlangen entsprechend kräftiges Gerät.
- Fliegenrolle
- Die Fliegenrolle ist einfach gebaut, leicht und hat einen großen Spulenkern. Beim Fliegenfischen liefert nicht der Köder das Wurfgewicht, sondern die dicke Schnur selbst — die Rolle bevorratet sie.
- Angelrute
- Die Angelrute - oder kurz Angel - besteht aus einem oder mehreren Teilen mit Führungsringen für die Angelschnur sowie einem Griff und einer Halterung zur Anbringung der Angelrolle.


