Tobias Acker

Wie bist du zum Angeln gekommen? Gab es Personen oder Ereignisse, die dich besonders geprägt haben?

Als Großstadtkind muss ich mich quasi bei meinen Eltern bedanken, dass sie mir damals, mit dem Kauf einen Ferienhauses an der Ruhr, die Möglichkeit gegeben haben Feld, Wald Wiesen und natürlich auch Wasser, mit seinen Bewohnern besser kennen und schätzen zu lernen. An meinen ersten Fisch, einen kleinen Hecht, aus dem Kanu gefangen, kann ich mich noch bestens erinnern. Wir schleppten einen Spinner hinter dem Boot her, als es auf einmal heftig in der Rute ruckte. Nie werde ich diesen Moment vergessen –  die Schläge in der Angelrute, das Quietschen der Bremse, als der Fisch Schnur nahm, die Spannung, was denn am anderen Ende der Leine hängen würde und die nervenaufreibende Unsicherheit, die mich übrigens bis heute immer noch bei jedem Fisch begleitet, ob ich meinen Fang denn auch sicher ins Boot/in den Kescher bekäme – damals war ich 6 Jahre alt und es war „DAS“ Erlebnis meines Lebens. Der „Virus“ lies sich nicht „bekämpfen“, sondern ist vielmehr in den letzten 38 Jahren weiter und weiter in mir mutiert – Gott sei Dank !

Was ist für dich das Besondere beim Angeln?

Nirgendwo, in unserer schnelllebigen Welt, finde ich soviel Ruhe und Entspannung  – und wenn dann der erhoffte Biss kommt, wiederum soviel Action und Spannung  – wie bei der Fischerei. Ein Sonnenaufgang an der Ostsee oder jedem anderen Gewässer ist einfach traumhaft – wenn man dann noch die fertig montierte Angel und einen Becher heißen Kaffee bei sich hat, kann der Tag meines Erachtens nicht besser beginnen. Ich liebe es, wenn Dinge klappen, Pläne aufgehen, aus Zufällen Erfahrungen werden und man diese regelmäßig und erfolgreich um- und einsetzen kann. Man kann zwar beim Angeln nicht Alles planen  – wenn der Fisch keinen Hunger, keine Lust oder Besseres zu tun hat, kann man sich auf den Kopf stellen und wird trotzdem an diesem Tag keinen Flossenträger überlisten können – aber eine perfekte Vorbereitung ist an den meisten Angeltagen die halbe Miete. Darüberhinaus ist dann doch wieder „das Unplanbare“ das Faszinierende – es heißt ja schließlich „Angeln“ und nicht „Fangen“. Wüsste ich am Vortag schon, dass ich am Ende des Angeltages genau 3 Hechte, 8 Barsche und 2 Forellen (und zwar alle mit genauen Maßen und Gewichten) im Fangbuch vermerken könnte, wäre die Fischerei sicher schnell langweilig. Dass man auch mal einen guten Fisch vor dem Kescher verliert, dass man mal einen Tag oder eine ganze Woche  „Schneider“ bleibt, auch wenn die Kollegen rechts und links gefangen haben, gehört einfach dazu und bringt mich nicht zum Aufgeben, sondern steigert eher meine Motivation für den nächsten Angeltrip.

Geduld, Erfahrung, Planung, Ruhe und Action  – das sind alles keine Gegensätze, sondern kombiniert genau das, was Angeln wirklich für mich ausmacht.

Übrigens esse ich sehr gerne Fisch  – megafrisch, selbstgefangen und zubereitet – mehr kulinarischer Genuss geht nicht!

Welche Angelmethoden haben es dir denn besonders angetan?

Ich bin Spinnfischer durch und durch – Ansitzfischen hat sicherlich auch seine Reize, aber ich muss mich und meinen Körper am Wasser auch bewegen. Gerne fische ich längere Strecken ab, suche ständig neue Hotspots, lerne das entsprechende Gewässer immer besser kennen und erlebe darüberhinaus somit viel bewusster  meine Umwelt. Raubfische sind meine Zielfische und ich habe für mich keine effektivere Angelmethode als die Spinnfischerei gefunden. Ich schätze daran sehr, dass man bei dieser Art des Fischen alle Raubfischarten von Bachforelle bis Hecht mit ultraleichtem oder heavy-duty Gerät nachstellen kann. Außerdem habe ich die Befürchtung, dass ich in den letzten Jahren stark kunstködersüchtig geworden bin – wenn andere Menschen stundenlang Kleidung oder Unterhaltungselektronik einkaufen können, gibt es für mich nichts Schöneres, als vor dem Wobbler/Blinker/Spinner-Regal eines Angelfachgeschäfts zu stehen und die immer besseren Köderfischimitate mit ihren technischen Neuerungen zu bewundern.

Das Fliegenfischen auf Meerforellen und andere Salmoniden fasziniert mich immer mehr und ist ein ernstzunehmender Konkurrent im Rennen um meine Lieblingsangelmethode.

Was war dein schönstes Erlebnis am Wasser?

Das weiß ich noch ganz genau: Im April 2004 verbrachte ich mal wieder die Osterferien zum Meerforellenfischen an der Ostsee. Am ersten Urlaubstag blieb der Wagen mit Motorschaden stehen und musste in unseren Ferienort abgeschleppt werden. Sehr schlecht gelaunt machte ich mich trotzdem auf ans’ Wasser, um meinen Frust, mit ein paar hundert Würfen gegen Wind und Wellen zu bekämpfen. Nach einer guten Stunde flog mein Blinker erneut 80 Meter gen Horizont, klatschte aufs Wasser und nach der 3. Kurbelumdrehung riss es mir fast die Rute aus der Hand. Hammerbiss einer kapitalen Meerforelle weit draußen in der Ostsee – es entwickelte sich ein zäher, langer Kampf mit dem Fisch über knapp 45 Minuten, in denen die Forelle immer wieder sprang, sich an der Oberfläche rollte und versuchte den Haken irgendwie loszuwerden, bis ich sie endlich über den Kescher führen konnte. 74 cm  – 8 Pfund  – ein Wahnsinnsfisch – mein „Jaaaa !!!!!“ war wohl noch bis Rügen zu hören, das Zittern in den Händen ließ erst Minuten später nach und heute, nach all den Jahren, bekomme ich beim Gedanken an den Drill und die glückliche Landung der Kapitalen immer noch eine Gänsehaut…..ach, ja  – der Motorschaden war darüber natürlich längst vergessen – erfolgreiches Fischen macht glücklich !

Gab es denn auch Erlebnisse am Wasser, an die du dich nicht so gern erinnerst?

 

Vor ungefähr 20 Jahren, als Handys gerade erst in Mode kamen, war ich an einem Herbstabend mit dem Bellyboat auf der Ostsee ca. 1,5 km vom Strand entfernt unterwegs. Mit dem Echolot hatte ich ein paar Dorschtrupps ausmachen können und verfolgte diese konzentriert fischend über einen längeren Zeitraum. Dabei ließ ich leichtsinnigerweise meine Umgebung außer Acht und bemerkte nicht, dass von Land her ein mächtiges Unwetter aufzog. Hätte meine damalige Freundin, die den Wetterumschwung rechtzeitig vom der Küste aus erkennen konnte, mich nicht mit Signalen einer Taschenlampe gewarnt, wäre ich mit meiner 2,5 Meter Kohlenfaserrute mitten auf der Ostsee das perfekte Ziel für einen Blitzeinschlag gewesen. Auch muss ich zugeben, dass ich seinerzeit, in meinem jugendlichen Leichtsinn, nicht vorm Fischen bei Windstärke Beaufort 4-5 haltmachte und auch bei weißschäumenden Wellen mein Bellyboat auf die Ostsee steuerte. Im Nachhinein gesehen hatte ich damals großes Glück und fische seitdem immer nach dem Motto: „Safety first !“ – Sicherheit muss dem Angler immer vorgehen.

Welche Frage beim Angelschein hat dich damals besonders genervt?

Ich habe meinen Angelschein mit 16 Jahren gemacht. Damals hatte ich noch keinen wirklichen Bezug zur „ Gesetzeskunde und naturschutzrelevanten Themen,sondern war voll und ganz auf das „praktische „ Fischen fixiert. Erst im Laufe der Jahre, als ich erkennen konnte, dass es auch in Deutschland Überfischung gibt  – und das sich ein „zerstörter“ Bestand erst sehr, sehr langsam wieder regeneriert, begriff ich die Wichtigkeit und Dringlichkeit von „langweilig“ erscheinenden Themen wie „Gesetzeskunde“, mit seinen Schonmaßen und -maßnahmen und „Umweltschutz“, um eine Nachhaltigkeit von Fisch und Natur zu gewährleisten.

Studiert habe ich dann später Rechtswissenschaften und ich lege, wenn ich als Trainer, anderen Menschen das Angeln beibringe, immer größten Wert auf die Vermittlung von naturschutzrelevanten Themen – es ist der Grundstein dafür, dass wir auch in Zukunft unser Hobby ausüben können.

 

Hast du einen guten Tipp für alle, die sich auf die Fischerprüfung vorbereiten?

Ja, beschäftigt Euch wirklich und komplett mit Eurem „neuen Hobby“ und das fängt eben genau schon bei der Vorbereitung auf die Angelscheinprüfung an. Besucht einen Kurs  – wenn ihr nicht viel Zeit habt, bei Fishing-King bringen wir Euch alles Prüfungsrelevante in drei Kurstagen bei – um Theorie und Praxis bestens abzudecken. Beschäftigt Euch eingehend mit der Online-Akademie und stellt und diskutiert ungeklärte Fragen mit einem Fishing-King-Trainer/Coach während der Schulung oder bei Praxisseminaren.

Alle Trainer sind erfahrenen Angler, deren einziges Ziel es ist, Euch zum Angelschein zu verhelfen – wenn ihr die gleiche Motivation mitbringt kann quasi gar nichts mehr schiefgehen.

Praxistipp: Nutzt zum Lernen und Bestimmen der Fischarten die Fishing-King-App – so könnt ihr immer und überall Lernen und Euren Wissensstand kontrollieren. Mit meiner achtjährigen Tochter habe ich aus 2 Sets der Fischkarten ein Memory-Spiel gebastelt – innerhalb von 2 Abenden hatte sie spielerisch alle 49 relevanten Fischarten verinnerlicht.

 

Welches anglerische Ziel möchtest du in deinem Leben noch erreichen?

Fasziniert vom „alten Mann und das Meer“ ist es ein großes Ziel von mir einen Black-Marlin beim Big-Game-Fischen haken und bezwingen zu können. Bisher steht es hier 1:0 für den Marlin, denn meine einzige Ausfahrt in Kenia blieb, bis auf ein paar Tunas und Goldmakrelen, erfolglos. Einen Fisch mit der Angel zu fangen, der größer und schwerer ist als ich selbst und der mit dem Ozean alle Vorteile (unendliche Weite und Tiefe, in der ein solcher Fisch erst einmal gefunden werden muss, Nahrung im Überfluss, was es noch schwieriger macht einen Fisch zum Biss auf einen Kunstköder zu überzeugen, und vor allem die immer präsente Option des Fisches, mit seiner Kraft aus meinem high-tech-Material Kleinholz zu machen), auf seiner Seite hat, ist mein anglerisches Lebensziel.

Ein kleines Ziel, an dessen Erreichen ich auch „vor der Haustür“ arbeite, ist das Verbessern meiner Technik beim Fliegenfischen.

Jetzt noch ein paar Standard- Fragen, die du wie aus der Pistole geschossen beantworten musst…

Lieblingsköder?

Blinker/Hansen-Fight 21 Gramm

Lieblingsfisch beim Angeln?

Meerforelle

Lieblingsfisch in der Küche?

Dorsch, Saibling

Lieblingsgewässer?

Ostsee

Angeltage im Jahr? ca. 75